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Die spektakuläre Bertha-Benz-Fahrt von 1888 fasziniert auch 125 Jahre später noch die Menschen.

Bertha Benz.

Eine Frau bewegt die Welt.

1888 wird eine Apotheke in Wiesloch unverhofft zur ersten Tankstelle der Welt.

Waschbenzin für’s „Ungetüm“.

“10 Liter Ligroin?“ fragt der betagte Apotheker ungläubig nach. Er rückt seine Brille zurecht, als ob sich schlechtes Hören durch genaueres Hinsehen verhindern ließe. Zugegebenermaßen: Das Kleid der Dame ist auffallend verschmutzt. Dass eine Portion Wahnsinn dazu gehören muss, sich als Weibsbild so überhaupt an die Öffentlichkeit zu wagen, denkt er insgeheim. Zumal das Frauenzimmer Umgangsformen besitzt, die so gar nicht zu ihrem Aufzug passen wollen. „Ein Liter Waschbenzin wird völlig ausreichen“, rät er mit einer Mischung aus offener Irritation und väterlicher Besorgtheit, „um das Kleid wieder sauber zu bekommen.“ Doch die wunderliche Dame im derangierten Aufzug besteht darauf, sämtliche Bestände an Ligroin aufzukaufen. Denn sie will gar nicht waschen. Sondern tanken. Um die allererste Fernfahrt der Welt mit ihrem Benz Patent-Motorwagen erfolgreich fortsetzen zu können. Die Dame heißt Bertha Benz.

Bricht die Regeln ihrer Zeit schon in zartem Alter: Bertha Benz, geborene Ringer.

Querkopf aus gutem Hause.

Die kleine Bertha wird 1849 in eine Zeit geboren, in der Frauen der Zugang zu höherer Bildung verwehrt ist. Wissenschaftler sind sich einig, dass das leichtere Gehirn der Damen logischerweise auch weniger aufnehmen und verarbeiten kann. Außerdem beeinträchtige zu viel Denken die Gebärfähigkeit. Bertha aber interessiert sich schon früh für technische Zusammenhänge. Wann immer ihr Vater, ein zu beträchtlichem Wohlstand gelangter Zimmermann, ihr die Eisenbahn erläutert, beginnen ihre Augen zu leuchten. Als sie mit neun Jahren eine Schule für höhere Töchter besuchen darf, wird das Fach „Naturlehre“ zu ihrer Lieblingsstunde. Umso härter trifft sie der Eintrag in der Familienbibel, den sie eines Tages lesen muss: „Leider wieder nur ein Mädchen“. Das hatte ausgerechnet der geliebte Vater anlässlich ihrer Geburt notiert. Der Legende nach reift in ihr fortan der Wunsch, der Welt zu beweisen, dass auch Angehörige weiblichen Geschlechts Weltbewegendes leisten können.

Eine Ehe durch dick und dünn: Carl und Bertha Benz.

Abenteuer Ehe.

Schön, klug, unterhaltsam ist Bertha Ringer, als sie ins heiratsfähige Alter kommt. Und wohlhabend. Die Liste ihrer Verehrer ist lang. Doch das Schicksal will es, dass auf einer Ausfahrt des Vereins „Eintracht“ am 27.Juni 1869 ein mittelloser junger Ingenieur zu ihr und der Frau Mutter in die Kutsche steigt.

Als der das Gespräch auf einen Wagen ohne Pferde lenkt, an dem er derzeit arbeitet, ist es um die junge Bertha geschehen. Trotz seines nachlässigen Aufzugs und der kauzigen Manieren: Carl Benz ist der Mann, den sie sich für den Rest ihres Lebens an ihrer Seite wünscht.

1888 ist der Benz-Motorwagen bereits in der dritten Evolutionsstufe.

Kühn und kompromisslos.

Alle Warnungen des Vaters schlägt sie in den Wind. Er selbst war seinerzeit erst durch harte Arbeit und geschickte Immobilien-Geschäfte zu Wohlstand gelangt. Nun bemüht er sich, ihr einzuschärfen, dass die Annehmlichkeiten der Bourgeoisie nicht selbstverständlich sind. Dass ein Leben in Entbehrung Härten birgt, von denen sie nicht die mindeste Vorstellung hat. Doch nichts kann sie von ihrem Heiratswunsch abbringen. Sie zieht den introvertierten Tüftler einem standesgemäßen Leben an der Seite einer „guten Partie“ vor. Ohne zu zögern investiert sie noch vor der Hochzeit ihre gesamte Mitgift in den Aufbau seiner Firma. Die Gründerjahre sind hart. Carl Benz besticht zwar durch verkanntes Konstruktionsgenie, mit kaufmännischem Talent kann er jedoch nicht prahlen.

So mehren sich die Rückschläge für die stetig anwachsende Familie. Bertha Benz lernt Hunger, Not und den Spott der Gesellschaft kennen. Doch wann immer ihr Mann verzagt, ist sie es, die ihn wieder aufrichtet. Und allem Elend zum Trotz weicht sie nie von seiner Seite.

Das erste Automobil der Welt: Der Benz Patent-Motorwagen, Modell 3 wird von 1886 bis 1894 in drei Varianten gebaut.

Plan B wie Bertha.

Nach Jahrzehnten harter Arbeit und einer schier endlosen Geschichte von Rückschlägen wird der Motorwagen am 29. Januar 1886 zum Patent angemeldet und Carl Benz damit zum Erfinder des Automobils. Doch zur Überraschung der Familie Benz bleiben die Kaufinteressenten aus. Sollte die Menschheit eine solche technische Errungenschaft unter „ferner liefen“ verbuchen? Allein der Gedanke scheint der fünffachen Mutter unerträglich. Sie fasst sich ein Herz: Bertha selbst wird eine Fernfahrt von Mannheim nach Pforzheim unternehmen und der Welt beweisen, wozu das Automobil in der Lage ist.

194 km beträgt die Strecke von Mannheim nach Pforzheim hin und zurück. Für damalige Verhältnisse eine kleine Weltreise.

Die Waffen einer Frau.

Mit ihren Söhnen Richard und Eugen macht sich Bertha Benz in den frühen Morgenstunden eines schönen Augusttages 1888 ohne das Wissen ihres Mannes mit dem Benz-Patent-Motorwagen auf den Weg. Dass die Straßen, auf denen sonst Pferdewagen fahren, stellenweise alles andere als geeignet für das Automobil sind, kann sie nicht davon abhalten. Treibstoffmangel, verstopfte Ventile oder durchgescheuerte Kabel – sie findet unterwegs für alles eine Lösung. Sei es ein Strumpfband, eine Hutnadel oder das Plündern der Ligroin-Bestände der Apotheken auf dem Weg. Auch als vor Wiesloch das Benzin restlos ausgeht und der Patent-Motorwagen kilometerweit geschoben werden muss, ist sie sich nicht zu schade, mit abzusteigen und anzupacken.

Und ihr Plan geht auf: Während mancher Zaungast sich betend auf die Straße wirft, da er das „rauchende Ungetüm“ für einen Vorboten des Jüngsten Gerichts hält, bitten andere um eine Probefahrt.

Was lange währt, wird endlich gut.

Zu ihrem 95. Geburtstag wurde Bertha Benz zur Ehrensenatorin der Technischen Universität Karlsruhe ernannt.

Besser spät als nie.

Jahrzehnte der Armut und der Häme weichen nun Anerkennung und Wohlstand. Zwar dauert es noch Jahre, bis die Neuerung von den breiten Massen akzeptiert wird. Doch im 20. Jahrhundert wird das Automobil zu einer der wichtigsten kulturellen Errungenschaften des aufkommenden Zeitalters. Keiner würde mehr wagen zu bestreiten, welches Verdienst Familie Benz an der Moderne trägt. Möglich gemacht hat das nicht zuletzt Bertha: Mit ihrem unerschütterlichen Glauben, ihrem Kapital und ihrer Tapferkeit hat sie diese Erfolgsgeschichte wesentlich geprägt. An ihrem 95. Geburtstag wird sie von der Technischen Universität Karlsruhe zur Ehrensenatorin ernannt. Sie, Bertha, die nie studieren durfte, weil es gegen den guten Ton verstoßen hätte. Als sie zwei Tage später das Zeitliche segnet, geht sie in Frieden. Als eine Frau, die sich durch nichts und niemanden von ihren Visionen abbringen ließ.


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