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Pagoden rollen durchs Sauerland – anlässlich des 50. Geburtstages des Mercedes-Benz 230 SL (W 113).

Der schönste Stern feiert Jubiläum.

Mehr als 200 Pagoden beim Internationalen Jahrestreffen im Sauerland.

Das Sauerland fest in der Hand der Pagodefahrer.

„Alles kein Problem.“

Als nach der Rechtskurve die nächste stramme Steigung vor uns liegt und der Motor in den untertourigen Drehzahlbereich fährt, dringt ein wohlig sonores Brummen an unser Ohr, dann greift die Automatik ein, und weiter geht’s. „Ich bin mit meiner Pagode schon über den Großglockner gefahren“, erzählt Karlheinz Preiß. Mit 3.789 Höhenmetern im Osten der Alpen immerhin der höchste Berg Österreichs. „Dank Automatik und Kühlung alles kein Problem“, winkt der gebürtige Franke ab. Dagegen ist das Sauerland mit seinen Erhebungen beinahe Flachland, dafür ist die Natur atemberaubend: Wir rollen vorbei an saftigen Maisfeldern und goldgelben Weizenackern, passieren Seen, grasende Kühe und Plantagen, auf denen schon die Weihnachtsbäume wachsen. Der Geruch von gedüngten Feldern fliegt vorbei, dann wieder frische Waldluft, als wir durch dichte Nadelholzbestände fahren.

Unser Fahrer: Karlheinz Preiß aus Berlin in seinem 280 SL Automatik.

Unser Fahrer: Karlheinz Preiß aus Berlin in seinem 280 SL Automatik.

400 Teilnehmer und 210 Pagoden aus zwölf Ländern.

Bloß nicht zu dicht zu den vorausfahrenden Pagoden aufschließen, sonst atmen wir Abgase ein. Karlheinz Preiß mag es ohnehin eher sachte, fährt lieber Landstraße mit offenem Verdeck als etwa auf der Autobahn. „Maximal 150 km/h, mehr mute ich dem Oldie nicht zu“, sagt er. „Es ist schließlich kein Alltagsauto.“ Und dies keine alltägliche Ausfahrt: Der 280 SL des Wahl-Berliners ist eine von mehr als 210 Pagoden, die mit ihren Besitzern zum 33. Internationalen Jahrestreffen des Mercedes-Benz SL-Club Pagode nach Willingen gereist sind. Im Jubiläumsjahr – die Pagode wurde im März 1963 auf dem Automobilsalon in Genf vorgestellt – richtet der von Mercedes-Benz offiziell anerkannte Club das Treffen gemeinsam mit der internationalen  W 113 Pagoda SL Group und dem Internetforum  Pagodentreff.de aus.

Entsprechend rekordverdächtig ist die Beteiligung: 400 Teilnehmer aus zwölf Ländern, darunter die USA und Großbritannien. „Wir haben allein 60 Pagoden aus dem Ausland“, erzählt Clubpräsident Werner Heidemann stolz.

Premiere für die Pagode: Béla Barényi (rechts) und Paul Bracq in Genf 1963 vor der ersten öffentlichen Präsentation des 230 SL.

Premiere für die Pagode: Béla Barényi (rechts) und Paul Bracq in Genf 1963 vor der ersten öffentlichen Präsentation des 230 SL.

Umjubelte Premiere 1963 in Genf.

Die Begeisterung begleitet den Roadster seit seiner Vorstellung: Beim Automobilsalon in Genf im März 1963 sorgt der 230 SL für Aufsehen, vereint er doch Kraft mit Eleganz, Komfort mit exzellenten Fahrleistungen und vorbildlicher Fahrsicherheit. Sicherheit wird überhaupt groß geschrieben: Die Karosserie aus steifer Fahrgastzelle und Knautschzonen

an Front und Heck folgt den Vorstellungen Béla Barényis, der als „Vater der passiven Sicherheit“ gilt. Das von Paul Bracq entworfene Coupédach sorgt mit seiner konkaven Form für höhere Stabilität – und den Beinamen: Weil es an die geschwungenen Dächer fernöstlicher Tempel erinnert, wird der 230 SL schnell Pagode getauft.

Links, rechts oder geradeaus? Wer der Beschilderung folgt, findet immer den richtigen Weg.

Links, rechts oder geradeaus? Wer der Beschilderung folgt, findet immer den richtigen Weg.

Perfekte Organisation.

Der für das Pagode-Jahrestreffen in diesem Jahr federführende Regionalclub Dortmund um Helma Sperling und Jost Schmerbeck hat zwei Jahre lang ganze Arbeit geleistet, davon profitieren auch wir bei der Ausfahrt. 700 Symbole entlang der Route zeigen uns exakt, wohin es geht – alle Teilnehmer schwärmen von der perfekten Organisation. So bleibt mehr Zeit, die prächtige Landschaft zu genießen und sich zu unterhalten – natürlich über die Pagode, die Karlheinz Preiß seit zehn Jahren fährt: metallic blau, das Interieur aus Metall, Leder und Holz, in den schwarzen Ledersitzen steckt noch echter Federkern. „Alles Original – bis auf das Navi“, schmunzelt Preiß, Jahrgang 1951 und bei der Bundesbank tätig. „Die Pagode war seinerzeit gar nicht so angesehen, sie galt als Damenauto“, erinnert sich Preiß an die Startschwierigkeiten des W 113. Aber: „Der Wagen fährt sich butterweich und superbequem.“

Mary-Catherine Sargeant und ihr Vater Thomas. Im Hintergrund Schwester Margaret.

Mary-Catherine Sargeant und ihr Vater Thomas. Im Hintergrund Schwester Margaret.

„Es gibt kein besseres Auto, um fahren zu lernen.“

Davon profitiert auch Mary-Catherine Sargeant: Die 22-Jährige steuert den goldenen 280 SL mit US-Kennzeichen sicher durch die Serpentinen, neben ihr sitzt Vater Thomas, Börsianer aus Virginia und einer der Gründer der Pagoda Group; auf dem „Notsitz“ kauert die 20-jährige Schwester Margaret. Beide Töchter haben auf der Pagode das Autofahren erlernt, erzählt Thomas Sargeant stolz.

„Es gibt kein besseres Auto dafür“, schwärmt Mary-Catherine, „wegen der guten Rundumsicht sieht man beim Einparken alles perfekt.“ Bei einem Pagodetreffen vor drei Jahren sei sie noch der einzige weibliche Fahrer gewesen. Damit habe ich die Ehemänner ganz schön in Schwierigkeiten gebracht“, lacht die junge Frau. Plötzlich hätten sämtliche Ehefrauen ans Steuer gewollt...

Ein Wochenende lang stand das Sauerland im Zeichen der Pagode.

Ein Wochenende lang stand das Sauerland im Zeichen der Pagode.

York Seifert mit seiner Frau Christina in der „Böhringer Pagode“.

York Seifert mit seiner Frau Christina in der „Böhringer Pagode“.

Der Star: die „Böhringer Pagode“.

Bei der nächsten Rast versammeln sich die Teilnehmer ehrfürchtig um eine rote Pagode mit großer weißer Startnummer 39 auf den Türen. York Seifert posiert stolz vor seinem Wagen, der wohl bekanntesten Pagode überhaupt: der 230 SL, mit dem Eugen Böhringer und sein Copilot Klaus Kaiser 1963 die strapaziösen 5.600 Kilometer der Langstreckenrallye Spa-Sofia-Lüttich absolvierten – und so dem „Pagoden-SL“ zu Weltruhm im Motorsport verhalfen. Bis 2012 musste Seifert, der die in Teilbereichen restaurierte Pagode 2011 gekauft hatte, sich mit Zweifeln an der Authentizität des Wagens herumplagen. Eine detektivische Recherchearbeit verschaffte ihm schließlich Sicherheit, dass er die Original Böhringer-Pagode von 1963 mit der Fahrgestellendnummer 14 besitzt, die angeblich verschrottet wurde. „Ich habe sogar Waxenberger gefragt“, erzählt der Zahnarzt aus Ingolstadt.

Erich Waxenberger, ehemals Entwicklungsingenieur bei Mercedes-Benz, brachte den 230 SL vor 50 Jahren auf die Rallyestrecke – und 2012 die entscheidende Wendung in der Diskussion um Seiferts Pagode.

Eugen Böhringer (rechts) und Klaus Kaiser mit ihrer Pagode nach dem Sieg in Lüttich 1963.

Eugen Böhringer (rechts) und Klaus Kaiser mit ihrer Pagode nach dem Sieg in Lüttich 1963.

Trauer um Eugen Böhringer.

Eugen Böhringer selbst, dem die Pagode und ihre Verehrer so viel zu verdanken haben, erlebt das Jahrestreffen nicht mehr: Der ehemalige Rallye-Europameister stirbt im Juni im Alter von 91 Jahren in Stuttgart. In den frühen 1960er Jahren ist der Schwabe einer der erfolgreichsten Mercedes-Benz Werksrennfahrer. Im Hauptberuf führt der gelernte Koch das Hotel der Familie in Stuttgart und geht regelmäßig für den Automobilhersteller an den Start, mit dem die Familie seit Vorkriegszeiten verbunden ist. Seine ersten Renneinsätze auf einem privaten Mercedes-Benz 219 (W 105) gehen auf eine Wette unter Freunden zurück. Im Januar, schon von Krankheit gezeichnet, hatte Böhringer dem Clubmagazin „Pagode“ im Interview verraten, dass der damalige Entwicklungschef Fritz Nallinger ihm vor dem Start zur Rallye Spa-Sofia-Lüttich ins Gewissen geredet hatte: „Herr Böhringer, ein Auto, das nicht am Ziel ankommt, kann nicht gewinnen.“

Für Böhringer damals Motivation genug, sich besonders ins Zeug zu legen – und Motorsportgeschichte zu schreiben.

Der schönste Stern.

Frommer Wunsch am Mietwagen von Ray Hays aus Florida...

Frommer Wunsch am Mietwagen von Ray Hays aus Florida...

Exoten im Korso.

Auf der nächsten Etappe „verfolgt“ uns ein 350 SL der Baureihe R 107, das Nachfolgermodell des W 113 – „damit hielt die Moderne Einzug in die Geschichte des SL“, erklärt Karlheinz Reiß. Von den teilnehmenden Pagodefahrern wird der „Allrounder“ geduldet, einen viel größeren Exoten im Feld steuert nämlich Ray Hays: einen deutschen Mietwagen ohne Stern. Der Amerikaner ist mit seiner Frau, aber ohne Pagode aus Florida angereist. Dafür zeigt er Bilder seines 280 SL, Baujahr 1968. „Da ich keine Kinder habe, trage ich Fotos meiner Pagode im Portemonnaie.“ Dass Hays ohne Pagode beim Pagodetreffen ist, hindert Clubkollegen nicht daran, ihn um ein Autogramm zu bitten: In Michael Salemis Buch „Pagoda Style“ wird er mitsamt seinem Schätzchen porträtiert. Die entsprechenden Seiten in dem Band darf der bescheidene Amerikaner zu seiner Freude beim Hüttenabend auf dem Ettelsberg signieren.

Andrea Venturini aus Florenz mit seiner Freundin Alice Liddell-Grainger.

Andrea Venturini aus Florenz mit seiner Freundin Alice Liddell-Grainger.

Eine Pagode gibt man nicht so einfach her.

„Alle politischen oder weltanschaulichen Grenzen werden überwunden – und das aus Liebe zum Auto“, ist Ray Hays von historischen Veranstaltungen wie dem Jahrestreffen begeistert. Er selbst ist regelmäßiger Besucher des Amelia Island Concours d’Elegance und zum dritten Mal in Deutschland. Es sei eine wunderbare Gelegenheit, Menschen mit derselben Leidenschaft zu treffen. So wie Andrea Venturini.

Der Italiener ist mit dem Autozug aus Florenz angereist. Sein 280 SL ist vermutlich die einzige Pagode mit Straßenzulassung für fünf Passagiere – ein Versehen der Behörde in Venedig damals. Die Pagode hat der 47-jährige Immobilienmakler von einem Freund gekauft, der sie abgeben musste, aber in guten Händen wissen wollte. Venturini hat den Wagen im vergangenen Jahr 5.000 Kilometer durch Europa gesteuert.

Very british: David (links) und Michael Smith mit ihrem 280 SL.

Very british: David (links) und Michael Smith mit ihrem 280 SL.

Enthusiasmus und Qualität.

Ähnlich viel unterwegs wie ihr italienischer Clubfreund sind Michael und David Smith: Die beiden britischen Brüder aus dem Norden Newcastles haben ihren 280 SL im Jahr 2002 gekauft und seitdem etwa 75.000 Meilen absolviert – zu 90 Prozent auf dem Festland. „Wir mögen Mercedes: Uns imponieren die Kultur und die Pflege des historischen Erbes – und das in solch familiärer Atmosphäre“, erzählt Michael (69). Sein großer Bruder David („in den Siebzigern“) ergänzt: „Wir schätzen, wofür die Marke steht: Enthusiasmus, Qualität – eben das Beste oder nichts, wie Gottlieb Daimler schon gesagt hat. Das können wir nur unterstreichen.“ Ehrensache, dass die beiden distinguierten Herren auch als „daily car“ ein Fahrzeug mit Stern fahren.

Zwischenstopp am barocken Wasserschloss Körtlinghausen.

Die Pagode findet überall schnell Freunde.

Was ist es nun, das die Faszination der Pagode ausmacht – abgesehen von der Kombination aus Sportlichkeit und Eleganz? „Die Pagode hat den alten Stil und die Seele von Automobilen in eine neue Ära transportiert“, fasst es Ray Hays zusammen. Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht, dass wir auf unserer Ausfahrt immer wieder auf begeisterte Menschen am Straßenrand treffen, die winken, fotografieren – oder einfach nur angesichts der Menge dieser wunderschönen Fahrzeuge staunen. „Die Pagode wirkt sympathisch“, erzählt Karlheinz Preiß. „Man trifft sofort auf spontane Zuneigung.“ Neben seinem 280 SL fährt er einen Sportwagenklassiker eines anderen deutschen Automobilherstellers, der in diesem Jahr ebenfalls 50. Geburtstag feiert – in diesem begegneten ihm die Menschen allerdings eher mit Neid als mit Wohlwollen.

Höhepunkt des Treffens in Willingen: Eine Pagode wird per  Hubschrauber am Fuße der Mühlenkopfschanze abgesetzt.

Höhepunkt des Treffens in Willingen: Eine Pagode wird per Hubschrauber am Fuße der Mühlenkopfschanze abgesetzt.

Finale an der Mühlenkopfschanze.

Am vierten und letzten Tag des Treffens versammeln sich die Pagodefahrer noch mal an der Mühlenkopfschanze, die als größte Großschanze der Welt gilt und im Winter Zehntausende Wintersportbegeisterte nach Willingen lockt. Hier wird noch mal gefachsimpelt, und es ist die letzte Gelegenheit, beim Clubpaten Martin Hoffmann, den Mercedes-Benz Classic als Ansprechpartner ins Sauerland geschickt hat, nach Ersatzteilen zu fragen. Bevor sich die Pagodefans in alle Richtungen zerstreuen (das nächste Jahrestreffen des Mercedes-Benz SL-Club Pagode findet 2014 in Goslar statt, das nächste Event der Pagoda Group im September in Williamsburg/Virginia) gibt es ein weiteres Highlight: Ein Hubschrauber fliegt durchs Ittertal ein und setzt einen frisch restaurierten 230 SL im Auslauf der Mühlenkopfschanze ab.

50 Jahre Pagode – die Jubiläumszahl wurde mit Pagoden an der Mühlenkopfschanze gebildet.

50 Jahre Pagode – die Jubiläumszahl wurde mit Pagoden an der Mühlenkopfschanze gebildet.

Auf Wiedersehen in Goslar. Oder in Williamsburg. Oder...

Nicht zuletzt wegen dieses furiosen Finales wird das Jahrestreffen 2013 sicher in bester Erinnerung bleiben. „Eine wunderbare Veranstaltung“, sagt Peter van Es, Präsident der Internationalen Pagoda Group, die insgesamt etwa 2.650 Mitglieder hat und „echte Freunde“ bei Treffen über den ganzen Erdball zusammenbringt. Gestartet ist die Gruppe als Internetforum, genau wie der Pagodentreff.de mit inzwischen 7.500 registrierten Mitgliedern. „Ob Club, Forum oder anderes – letztlich haben wir dasselbe Hobby“, sagt Pagodentreff-Initiator Detlef Hahn. Ein Hobby, das die Pagode-Fangemeinde seit 50 Jahren rund um den Globus verbindet.


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