Willkommen bei Mercedes-Benz International

Die Frau mit den
grünen Augen.

Ein Sensationsfund wirft ein neues Licht auf Mercedes Jellinek,
die Namensgeberin der weltberühmten Automobilmarke.

Mercedes im Mercedes: Das Foto entstand um 1910.

Erstmals zu sehen:
Mercedes im Mercedes.

Ob Mercedes Jellinek dieses Automobil je gefahren hat? Die Aufnahme, vermutlich um 1910 entstanden, zeigt die junge Frau am Steuer eines Grand-Prix-Wagens aus dem Jahr 1906. Betrachter sehen eine elegant gekleidete junge Dame mit Hut und langem Rock, die schüchtern in die Kamera blickt. Bei Mercedes-Benz Classic hingegen verschlug es beim Anblick der Schwarz-Weiß-Fotografie den Atem: Es ist die einzige bekannte Aufnahme, die die Namensgeberin der berühmten Automobilmarke in einem nach ihr benannten Fahrzeug zeigt. Mercedes im Mercedes sozusagen. Ihr Vater, der österreichische Geschäftsmann Emil Jellinek, der für die Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) zahlreiche Fahrzeuge verkaufte und die Marke bekannt machte, hatte die Idee, eine neue Baureihe auf den Namen "Daimler-Mercedes" zu taufen.         

Aus dem Nachlass ihres Sohnes stammen die Fotos und persönlichen Dokumente, die ein neues Licht auf die am 16. September 1889 geborene Mercedes Jellinek werfen. "Gänsehaut-Material", wie Jürgen E. Wittmann, Leiter Mercedes-Benz Classic Archive, voller Ehrfurcht sagt.

Die Geburtsurkunde (Ausschnitt) mit dem Taufnamen Mercedes Adrienne Ramona Manuela.

Private Momente aus einem
wenig bekannten Leben.

Zu den Schätzen, die Jellineks Sohn Hans-Peter Schlosser seinem Patenkind vermachte, gehören drei Fotoalben mit insgesamt knapp 300 Bildern. Sie zeigen private Momente aus einem bisher wenig bekannten Leben. Ebenfalls Teil des Nachlasses sind Geburts- und Heiratsurkunde sowie ein Reisepass, aus dem zu entnehmen ist, dass Mercedes kastanienbraunes Haar und grüne Augen hatte – Details, die auf Schwarz-Weiß-Fotos nicht zu erkennen und somit zumindest für die Öffentlichkeit völlig neu sind. Ebenso, dass ihr Taufname tatsächlich Mercedes Adrienne Ramona Manuela Jellinek lautete. Bislang wurde „Mercedes“ als Kosename gesehen. Mercedes Jellinek: Eine Frau, die das damals typische sorglose Leben einer höheren Tochter mit Luxusjachten und Haus an der Côte d’Azur führte, aber auch Umbrüche erlebte und schließlich einen für damalige Verhältnisse mutigen Lebensweg einschlug.

Erstes Semmering-Rennen, 27. August 1899. Klassensieger Emil Jellinek am Steuer seines Daimler 16-PS-Phönix-Rennwagens, daneben Hermann Braun.

Emil Jellinek ist
Autonarr von der ersten Stunde an.

Alles beginnt mit Emil Jellinek und seiner Hartnäckigkeit. Diese hilft dem umtriebigen Diplomaten und Selfmademann, in der internationalen Geschäftswelt Fuß zu fassen. Seit der Erfindung des Automobils durch Gottlieb Daimler und Carl Benz 1886 ist Jellinek ein Anhänger dieser neuen Fortbewegungsart.

Durch eine Zeitungsannonce auf die DMG aufmerksam geworden, reist er nach Cannstatt und erhält im Oktober 1897 seinen ersten Daimler Wagen. Der Beginn einer ebenso erfolgreichen wie wechselvollen Geschäftsbeziehung zwischen dem rastlosen Kaufmann und den Erfindern des Automobils.

Emil Jellinek hatte Zutritt zu Europas höchsten Kreisen. Der umtriebige Geschäftsmann starb am 21. Januar 1918.

Die Zukunft des Automobils liegt
in Geschwindigkeit und Eleganz.

Jellinek wirbt in den höchsten Kreisen der Gesellschaft für die neuen Fahrzeuge aus Cannstatt. Doch auch persönlich verstehen sich der Stuttgarter Autoerfinder und der mondäne Autoverkäufer offenbar: Gottlieb Daimler lädt Jellinek und dessen Tochter Mercedes mehrmals in seine Villa ein. Bei diesen Gelegenheiten bringt Jellinek Daimler die Idee nahe, dass der Hersteller mit eigenen Autos und unter eigenem Namen Rennen und Zuverlässigkeitsfahrten bestreiten soll und überzeugt ihn und Konstrukteur Wilhelm Maybach, dass die Zukunft des Automobils in der Geschwindigkeit und Eleganz liegt. In der Geschwindigkeit sieht er allerdings nicht den Anreiz, unvorsichtig zu sein, sondern den eigentlichen Sinn eines Motorfahrzeugs: „Wenn ich aus einem Automobil nicht mehr heraushole als aus einem Gespann, kann ich ebenso gut wieder mit Pferden fahren!“

Für die Rennwoche von Nizza im März 1899 meldet Jellinek einen Daimler „Phönix“ Wagen unter dem Pseudonym Monsieur „Mercedes“ an – eine in der damaligen Zeit offenbar durchaus übliche Verschleierung.

Mercedes im Alter von elf Jahren, auf dem Höhepunkt des Erfolgs ihres Vaters.

Jellinek und Maybach erfinden
zum zweiten Mal das Automobil.

Emil Jellinek lässt sich auch von Rückschlägen nicht bremsen und überzeugt die DMG, einen völlig neuen Wagen mit einem komplett neuen Motor zu entwickeln, der den Namen "Daimler-Mercedes" tragen soll. Der erste neue Wagen, ein Mercedes 35 PS, wird am 22. Dezember 1900 an Jellinek geliefert. Dieser von Wilhelm Maybach entwickelte neue Typ sorgt zu Beginn des Jahrhunderts für Furore: Es ist der modernste Wagen der Welt und gilt zugleich als erstes modernes Automobil. Mit dem Mercedes 35 PS erhält das Automobil erstmals eine eigenständige Form, die mit der bis dahin vorherrschenden Kutschenbauweise nichts mehr gemein hat.

Emil Jellinek, bei der Präsentation des Mercedes 35 PS auf der Rennwoche in Nizza 1901.

"Wir sind in die Ära
Mercedes eingetreten."

Auf der Rennwoche in Nizza Ende März 1901 zeigen die Wagen mit Namen Mercedes, was in ihnen steckt: Mit vier ersten und fünf zweiten Plätzen sind die Wagen aus Cannstatt eine Klasse für sich – und zwar gleichermaßen bei der Distanzfahrt, dem Bergrennen wie auch dem Meilenrennen. Paul Meyan, der Generalsekretär des Automobilclubs von Frankreich, prägt den denkwürdigen Satz: „Wir sind in die Ära Mercedes eingetreten.“ Die Erfolge bei den Rennen sorgen für reißenden Absatz, die Produktion ist bis 1904 ausverkauft. Doch das Verhältnis zwischen Jellinek und der Führungsmannschaft der DMG beginnt sich zu verschlechtern. In Cannstatt wird man zunehmend der Verbesserungsvorschläge des Praktikers überdrüssig. 1905 verliert Jellinek gar das Verkaufsmonopol für Daimler-Automobile.

Ausflug auf der Jacht „Mercédès II“: Mercedes Jellinek mit Freundin.

Zu den Schätzen gehören Fotografien und persönliche Dokumente Mercedes Jellineks.

Mercedes und ihr Ehemann Karl Baron von Schlosser.

Mercedes heiratet 1909 – das Glück hält nicht lange.

Privat geht Mercedes bald eigene Wege: Witwer Jellinek heiratet 1899 zwar zum zweiten Mal, seine Tochter fühlt sich – bei allen materiellen Annehmlichkeiten – zunehmend vernachlässigt. Von den geschäftlichen Problemen ihres Vaters bekommt sie indes nicht allzu viel mit, sucht lieber nach ihrem persönlichen Glück.

Dieses findet sie mit Baron Karl von Schlosser, den sie 1909 heiratet. Sehr zum Gefallen ihres Vaters, dem der Adelstitel gelegen kommt. Mercedes fügt sich in ihre Rolle als Ehefrau und Mutter, die Kinder Elfriede (geboren 1912) und Hans-Peter (1916) scheinen das Glück perfekt zu machen.

Mutterglück: Mercedes mit ihrem Sohn Hans-Peter im Jahr 1916.

Für einen Künstler
verlässt sie ihre Familie.

Doch der Stern der Familie Jellinek, seit der offiziellen Namensänderung 1903 "Jellinek-Mercedes", hat längst zu sinken begonnen. 1914 bricht der Erste Weltkrieg aus, Vater Emil wird von den Franzosen der Spionage verdächtigt und verliert schließlich seine gesamten Besitztümer. Als er am 21. Januar 1918 stirbt, führt seine Tochter ein tristes Leben an der Seite eines Beamten. Mercedes, die sich zeitlebens zur Künstlerin berufen fühlt, was ihre Herkunft ihr unmöglich machte, wagt einen mutigen Schritt und verlässt 1923 ihre Familie für den schwindsüchtigen und mittellosen Bildhauer Baron Rudolf Weigl, der kurze Zeit später seiner Krankheit erliegt. Mercedes Freifrau von Weigl, geb. Jellinek-Mercedes, stirbt mit nicht einmal 40 Jahren am 23. Februar 1929 in Wien. 

Dass sie sich ihr Leben anders vorstellte, davon scheinen viele der Bilder zu künden, die sich nun in den Archiven von Mercedes-Benz Classic befinden. Sie zeigen eine junge Frau, die meist seltsam traurig, manchmal geistesabwesend wirkt. Immerhin weiß man nun, dass sie der Welt mehr hinterlassen hat als nur ihren berühmten Namen. 

Nach Redaktionsschluss, 04.06.2012, können sich Änderungen am Produkt ergeben haben.


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