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Bruno Sacco prägte die Marke Mercedes-Benz wie kaum ein anderer. Der langjährige Chefdesigner, von 1958 bis 1999 im Unternehmen, wurde jetzt 80 Jahre alt.

Mercedes-Benz
ist mein Leben.“

Der ehemalige Chefdesigner Bruno Sacco prägte
die Marke wie kaum ein Zweiter.

Bruno Sacco um 1965.

Eine Begegnung mit Folgen.

Eine Begegnung Anfang der 1950er Jahre beeinflusst Bruno Saccos Leben nachhaltig – und die Entwicklung der Marke Mercedes-Benz: Als der Italiener im April 1951 bei einer Automobilausstellung in seiner Heimatstadt Turin ein – vom französischen Designer Raymound Loewy gestalteten – Studebaker Starlight Coupé sieht, erwacht seine Begeisterung für Automobildesign. „Dieser Wagen war wie aus einer anderen Welt“, erinnert sich Bruno Sacco mehr als 60 Jahre später. Kurz darauf sieht er das futuristische Fahrzeug auf der Straße wieder: Der Entschluss, Automobile zu designen, reift heran. Nach ersten gestalterischen Erfahrungen beginnt er 1958 eine mehr als 40 Jahre währende Karriere bei Mercedes-Benz. Jetzt wurde der langjährige Chefdesigner 80 Jahre alt.

Bruno Sacco in seinem Büro.

Bis heute dem Design verpflichtet.

In einem beschaulichen Wohngebiet in Böblingen nahe Stuttgart hat Bruno Sacco sein schlicht eingerichtetes Büro. Hier, zwischen Auszeichnungen, Skizzen und Plakaten, geht er seit seinem Ausscheiden bei Mercedes-Benz im Jahr 1999 weiter seinem Beruf nach – nicht als Automobildesigner, sondern als Produktdesigner im Sanitärbereich. Ende des Jahres wolle er sich allerdings wirklich zur Ruhe setzen, erzählt er. Um seinen runden Geburtstag macht der bescheidene und stets elegante Italiener kein Aufhebens, ebenso um seine beispiellose Karriere beim Erfinder des Automobils. Dabei hat Sacco das Erscheinungsbild der Marke während seiner Tätigkeit geprägt wie kein Zweiter, wurde dafür unter anderem mit der Aufnahme in die Automotive Hall of Fame im Jahr 2006 belohnt.

Eigentlich, so sagt er, habe er nie vorgehabt, lange in Deutschland zu bleiben: „Ich wollte noch viele Erfahrungen sammeln, unter anderem in den Vereinigten Staaten.“ Doch es kam anders. Und der Rest ist Automobil(design)-Geschichte.

Béla Barenyi (Zweiter von rechts) mit dem Team der Abteilung Vorentwicklung, darunter Bruno Sacco (rechts) um 1970.

Béla Barenyi (Dritter von links) mit dem Team der Abteilung Vorentwicklung, darunter Bruno Sacco (rechts) um 1970.

Beginn einer Ausnahmekarriere.

Diese Geschichte beginnt im italienischen Udine, wo Bruno Sacco am 12. November 1933 geboren wird. Nach der Ausbildung zum Geometer (dem jüngsten Italiens) beginnt er ein Studium an der Polytechnischen Hochschule in Turin. Dort findet die erwähnte schicksalhafte Begegnung statt, die Saccos Leben verändert. Noch als Student übernimmt er erste Gestaltungsaufträge für die Firmen Ghia und Pininfarina. Bei Ghia arbeitet er mit Größen wie Giovanni Savonuzzi und Sergio Sartorelli zusammen. Saccos Interesse für Deutschland und seine deutschen Sprachkenntnisse führen schließlich zu einem, vom deutschen Konsul in Turin vermittelten, Treffen mit Karl Wilfert. Dieser ist bei Mercedes-Benz damals Versuchsleiter PKW-Karosserie und Stilistik. Wilfert lädt Sacco 1957 ins Sindelfinger Werk ein – und stellt den engagierten jungen Designer wenig später ein.

Sacco hatte Mercedes-Benz bereits seit längerem aus der Ferne bewundert, unter anderem wegen der legendären Erfolge Juan Manuel Fangios im Rennsport.

Der C 111-II (1970): Ein wahrlich außergewöhnliches Design.

Der C 111-II (1970): Ein wahrlich außergewöhnliches Design.

Neue Pfade gehen.

Am 13. Januar 1958, im Alter von 25 Jahren, tritt Bruno Sacco seine Stelle als zweiter Stilist an, Paul Bracq wurde im Vorjahr als erster Stilist eingestellt. Saccos Anfangsgehalt: 650 DM. Bruno Sacco arbeitet als Stilist und Konstrukteur unter Karl Wilfert („ein undiplomatischer Visionär“) und Friedrich Geiger. Später wechselt er für fünf Jahre in die Abteilung Béla Barenyis.

Er arbeitet an verschiedenen Projekten wie dem Mercedes-Benz 600 (W 100) und dem Roadster 230 SL mit und übernimmt die Design-Projektleitung für die Experimentalfahrzeuge C 111-I (1969) und C 111-II (1970). Bei deren völlig Mercedes-Benz untpyischem Design „haben wir versucht, neue Pfade zu gehen und uns nicht an Vorhandenem zu orientieren“.

Das erste Serienfahrzeug unter Saccos Regie: die S-Klasse der Baureihe 126.

Das erste Serienfahrzeug unter Saccos Regie: die S-Klasse der Baureihe 126.

Der erste „wahre Sacco“:
die S-Klasse (Baureihe 126).

Mit dem Titel „Oberingenieur“ tritt Bruno Sacco 1975 die Nachfolge Friedrich Geigers als Leiter der Hauptabteilung Stilistik an und prägt fortan das Erscheinungsbild der Personenwagen von Mercedes-Benz. Neben aktuellen Projekten erarbeitet er Zukunftsperspektiven, die über die Jahrzehnte hinausweisen. Wie den ersten „wahren Sacco“, die S-Klasse der Baureihe 126. 1979 präsentiert Sacco das erste Serienautomodell unter seiner Regie: ein frisches, eher sachliches Design, das die Tradition der Mercedes-Benz Oberklasse nicht verleugnet, eine Karosserie in moderater Keilform, die den damaligen Stand der Aerodynamik erkennen lässt.

1980 formuliert Bruno Sacco die Mercedes-Benz Designphilosophie – die Geburt der Markenidentität.

Mercedes-Benz Designphilosophie.

Langfristiges Denken gehört ebenso zu Saccos Credo wie der Verzicht auf „Schnickschnack“ und auf das Verfolgen modischer Trends. Entwicklungszeit, Produktionszeitraum und Lebensdauer eingerechnet, müsse das Design eines Mercedes rund 30 Jahre lang aktuell bleiben, besser sogar zeitlos, ist er überzeugt. „Vertikale Affinität“ ist ein Prinzip der im Jahr 1980 vorgestellten Mercedes-Benz Designphilosophie: Sie besagt, dass ein Vorgängermodell nach der Präsentation der neuen Generation nie veraltet wirken darf. Zweite tragende Säule ist die „horizontale Homogenität“, wonach bestimmte Designmerkmale wie Kühlermaske, Scheinwerfer und Heckleuchten in allen Baureihen abzubilden sind. Mit anderen Worten: Ein Mercedes-Benz muss immer als Mercedes-Benz zu erkennen sein. Und obwohl, wie Sacco einräumt, Philosophien dem Wandel der Zeit unterliegen, gilt dies prinzipiell noch heute.

Bruno Sacco mit seinem Meisterstück, dem „190er“, der im Jahr 1982 die Kompaktklasse bei Mercedes-Benz einführt. Im Hintergrund die C-Klasse (W 203).

Der „Baby-Benz“
begründet eine neue Ära.

Eine „neue Ära“ für die Marke mit dem Stern eröffnet Bruno Sacco 1982 mit dem Mercedes-Benz 190 (W 201), eine neue Fahrzeugklasse unterhalb der etablierten Mercedes-Benz Limousinen. Der kompakte Viertürer ist ein Symbol für den Wandel beim Erfinder des Automobils und für Sacco schlicht „das ideale Beispiel für die Verbindung von Innovation und Tradition “. Zunächst kontrovers diskutiert, gelegentlich als zu „nüchtern“ oder gar „billig“ kritisiert, findet der im Volksmund liebevoll „Baby-Benz“ getaufte 190er mit maßvoller Keilform und geometrisch kompromisslosem Übergang der C-Säulen in den hohen, abgekanteten Heckbereich, später viele Nachahmer. Damit gelingt es Mercedes-Benz, neue, jüngere Zielgruppen anzusprechen, ohne die traditionellen Käufer zu verprellen. Das zweite Meisterwerk der neuen Mercedes-Benz Zeitrechnung ist der im Jahr 1989 vorgestellte 500 SL (R 129).

Den 500 SL (R 129) bezeichnete Bruno Sacco als „automobile Skulptur“.

„Das perfekteste Auto, das ich zu verantworten habe.“

Ziel war ein Roadster, der Emotion ausstrahlt, gleichzeitig Geschmack und Stil ausdrückt. „Wir wollten ihm die Aggressivität nehmen, was bei einem Sportwagen vielleicht nicht unbedingt sinnvoll ist“, erinnert sich Sacco. Mit vollendeten Proportionen und sportlichen Details wurde es eine automobile Skulptur. „Das perfekteste Auto, das ich zu verantworten habe“, sagt Sacco.

Und meint damit sein ganzes Team. „Ich hatte das Glück, von meinem Vorgänger eine junge, auf Hochleistung getrimmte Mannschaft zu übernehmen.“ Auf diese kann Sacco sich blind verlassen: „An dem Tag, als ich verantwortlich für das Design wurde, habe ich den Zeichenstift endgültig beiseite gelegt“, sagt er.

Der Meister und sein Werk: Bruno Sacco im Jahr 2002 in Udine inmitten der von ihm gestalteten Fahrzeuge, darunter die S-Klasse (Baureihe 220) und das CL Coupé (C 215).

Lob für die neue A-Klasse
und den CLS Shooting Brake.

A propos Perfektion: Abgesehen von den von den unter seiner Regie entstandenen Fahrzeugen – darunter der erste SLK („ein niedliches, putziges Autochen.“) und das Coupé der S-Klasse (C 215) welche Fahrzeuge haben vor seinem strengen Auge Bestand? Sacco nennt den von Wilhelm Maybach konstruierten Mercedes 35 PS aus dem Jahr 1901 („ein bezauberndes Meisterstück technischer Schönheit ohne jeden Schnörkel“) und den 540 K von 1936 mit dem damals magischen Kennzeichen „Sindelfinger Karosserie“, der auch als Modell auf dem Sideboard in seinem Büro steht. Und die heutigen Modelle? Der Maestro lobt die neue A-Klasse („ein schöner kleiner Mercedes-Benz, vor allem unverwechselbar“) und den CLS Shooting Brake („der glamouröseste Mercedes-Benz, bis die neue S-Klasse kam“).

Einen Shooting Brake besitzt Sacco übrigens selbst, nachdem er jahrelang M-Klasse fuhr – und Mitte der Sechziger Jahre sogar eine Zeit lang den ersten 300 SL mit der Fahrgestellnummer 0001.

Anerkennung für die Lebensleistung als Designer: Bruno Sacco wird im Jahr 2006 in die Automotive Hall of Fame aufgenommen.

Anerkennung für die Lebensleistung als Designer: Bruno Sacco wird im Jahr 2006 in die Automotive Hall of Fame aufgenommen.

Aufnahme in die
Automotive Hall of Fame
im Jahr 2006.

Bruno Saccos Aufnahme in die Automotive Hall of Fame im Jahr 2006 würdigt eine Lebensleistung, die ihresgleichen sucht und Mercedes-Benz bis heute prägt: Der langjährige Chefdesigner gibt der Marke eine gestalterische Identität, die bis heute fortdauert. Sacco wagt Neues, ohne die einzigartige Tradition des Automobilerfinders aus den Augen zu verlieren. In der ihm eigenen pointierten Diktion bilanziert er: „Mercedes-Benz ist mein Leben.“ Außer der Verbundenheit zum Stern ist es vor allem die Liebe zu seiner Frau, die den Italiener („Ich bin eigentlich der Archetyp eines Europäers.“) trotz anderer Pläne so lange in Deutschland bleiben lässt: Im Jahr 1959 lernt er seine Annemarie kennen, ein Jahr später kommt bereits die gemeinsame Tochter zur Welt. Das Glück ist perfekt. Bruno Sacco nennt das Kind Marina-Mercedes.

Bruno Sacco, langjähriger Chefdesigner von Mercedes-Benz.

Bruno Sacco in seinem Büro in Böblingen.
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Bruno Sacco: Eine Designlegende

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