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Sir Stirling Moss steuert einen Mercedes-Benz W 196 R, das Schwesterfahrzeug des in Goodwood versteigerten Silberpfeils.

Rekordpreis für
Fangios Silberpfeil.

20 Jahre Goodwood Festival of Speed:
Mercedes-Benz Classic bei der Jubiläumsausgabe.

Auktionator Robert Brooks, hinter ihm das Bild des legendären Mercedes-Benz Silberpfeils.

Auktionator Robert Brooks, hinter ihm das Bild des legendären Mercedes-Benz Silberpfeils.

Zuschlag in letzter Sekunde.

Als Los 320 aufgerufen wird, kehrt im Zelt des Auktionshauses Bonhams ehrfürchtige Stille ein. Dem Fahrzeug, um das es geht, wurde vorab so viel Aufmerksamkeit gewidmet, dass Robert Brooks, automobilbegeisterter Bonhams-Vorstand, höchstselbst zum Auktionshammer greift. Mit dem Mercedes-Benz Silberpfeil W 196 R, dem originalen Siegerwagen von Juan Manuel Fangio aus dem Jahr 1954, kann auch John Lennons Ferrari nicht mithalten, der zuvor unter den Hammer kam. Sorry, John! Da – nicht nur – die Fachwelt einen Rekorderlös erwartet, wird in 500.000-Pfund-Schritten geboten, los geht es bei 3,5 Millionen Pfund (rund 4,05 Millionen Euro). Schnell sind die Gebote zweistellig, und als bei 15 Millionen Pfund ein neuer (Telefon-)Bieter hinzukommt, geht ein Raunen durchs Zelt. Bisher hatten sich zwei Bieter, ebenfalls per Telefon, ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert.

Bei 16 Millionen Pfund entsteht eine längere Pause, Auktionator Brooks ruft „Letzte Chance“ – da steigt ein neuer Bieter bei 16,5 Millionen Pfund ein.

Auktionsrekord: der W 196 R auf dem legendären Mercedes-Benz Renntransporter „Blaues Wunder“.

Auktionsrekord: der W 196 R auf dem legendären Mercedes-Benz Renntransporter „Blaues Wunder“.

Wertschätzung für historische
Fahrzeuge mit Stern.

Der Thriller endet kurz darauf bei 17,5 Millionen Pfund: neuer Auktionsrekord für ein Automobil und das Gesprächsthema für die Jubiläumsausgabe des Goodwood Festival of Speed, in dessen Rahmen die Versteigerung stattfindet. Den Zuschlag bekommt der anonyme Bieter, der erst kurz vor Schluss eingestiegen ist und insgesamt 19,6 Millionen Pfund (22,7 Millionen Euro) bezahlen wird. „Das Auktionsergebnis zeigt, welche außerordentlich hohe Wertschätzung historische Fahrzeuge von Mercedes-Benz in Sammlerkreisen genießen“, freut sich Michael Bock, Leiter von Mercedes-Benz Classic. „Wir gratulieren dem unbekannten Bieter zu seinem Kauf und werden ihn – sofern gewünscht – gerne bei den nächsten Schritten unterstützen.“ Er hoffe, dass der Besitzer das nötige Verständnis für die historische Bedeutung dieses Kulturguts aufbringe.

Paul Stewart im Schwesterfahrzeug des versteigerten W 196 R.

Paul Stewart im Schwesterfahrzeug des versteigerten W 196 R.

„Ist das der Silberpfeil für
22 Millionen?“

Die gesteigerte Aufmerksamkeit für die Fahrzeuge mit dem Stern zeigt sich spätestens am Tag nach der Rekordauktion. Während Paul Stewart, der für Mercedes-Benz im Schwesterfahrzeug des W 196 R startet, mit typisch britischem Humor flachst („Wenn ich das Geld hätte, hätte ich mitgesteigert“), melden sich im Formel 1 Paddock von

Mercedes-Benz Classic die ersten Fans und fragen: „Ist das der Silberpfeil, der gestern versteigert wurde?“ Nein, ist er nicht. Das hindert aber auch Stuart Graham, die britische Motorrad-Rennlegende, nicht daran, mal im W 196 R Platz zu nehmen, den er zu Hause als Modell im Maßstab 1:8 stehen hat.

Blick ins Allerheiligste des Mercedes-Benz Silberpfeils W 196 R.

Blick ins Allerheiligste des Mercedes-Benz Silberpfeils W 196 R.

Ausführliche Herstellerexpertise.

„In unserer Sammlung haben wir bereits sechs W 196 R“, hatte Michael Bock zuvor Journalisten erklärt. Er schätzt, dass der neue Besitzer einen hohen sechsstelligen Betrag investieren muss, um den Wagen mit der Fahrgestellnummer 006/54 fahrbereit zu restaurieren. Prinzipiell sei der Silberpfeil im Zustand wie 1973, als er von der damaligen Daimler-Benz AG dem National Motor Museum in Beaulieu in England gestiftet wurde, das ihn 1980 an einen privaten Sammler verkaufte. Die Authentizität des Fahrzeugs belegt eine ausführliche Herstellerexpertise, in deren Rahmen Mercedes-Benz Classic den Wagen untersucht und seine Geschichte bis ins Detail erforscht und dokumentiert hat – was den erzielten Wert des Fahrzeugs sicherlich gesteigert haben dürfte.

Rennsportikone Sir Stirling Moss im W 196 R auf dem Weg zum Start.

Rennsportikone Sir Stirling Moss im W 196 R auf dem Weg zum Start.

„Eigentlich unbezahlbar.“

Die 120 Seiten starke Herstellerexpertise enthält diverse Dokumente (die Details wie das Wetter beim Einsatz am 1. August 1954 beim Grand Prix von Deutschland auf dem Nürburgring dokumentieren: „trocken, kühl“), Inventar-Karten, technische Datenblätter, Bilder und Plakate von den siegreichen Einsätzen des Silberpfeils sowie Presseinformationen und -berichte. Außerdem finden sich darin „Konstruktionsgedanken“ des Entwicklungsvorstands Fritz Nallinger und die Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1973. Die aktive Rennkarriere des W 196 R endet mit dem Vermerk „Wagen gelaufen und konserviert am 9.12.1955 im Versand abgestellt.“ Angesichts der Erfolge, die Juan Manuel Fangio mit dem Wagen einfuhr, hält Mercedes-Benz Markenbotschafter Hans Herrmann, damals Teamkollege von Fangio, Moss und Kling, das Fahrzeug für „eigentlich unbezahlbar“.

Sein ehemaliger Mannschaftskollege Sir Stirling Moss relativiert: „Der Zustand des Silberpfeils ist erschreckend.“ Ob er glaube, dass sich der neue Besitzer besser um das Fahrzeug kümmere? „Es würde schon reichen, wenn er ihn ins Trockene stellt“, scherzt die britische Rennikone.

Sammler Ewert Louwman im Benz „Prinz-Heinrich-Wagen“ aus der Sammlung von Mercedes-Benz Classic.

Sammler Ewert Louwman im Benz „Prinz-Heinrich-Wagen“ aus der Sammlung von Mercedes-Benz Classic.

„Mit Liebe schalten.“

In den denkbar besten Händen befinden sich die automobilen Kostbarkeiten dagegen bei den Mechanikern von Mercedes-Benz Classic. Das stellt auch der Benz „Prinz-Heinrich-Wagen“ aus dem Jahr 1910 unter Beweis, eines von nur noch zwei existierenden Exemplaren des Wagens, die originalgetreu überlebt haben. Nach einer zwei Jahre dauernden Restaurierung geht er in Goodwood mehrmals an den Start, am Steuer sitzt der niederländische Sammler Ewert Louwman, der das zweite verbliebene und gerade restaurierte Exemplar in seiner Sammlung hat. Was ist die Herausforderung beim Fahren des eleganten Spezial-Tourenwagens, den viele Experten für den ersten echten Sportwagen halten? „Wenig bremsen und mit Liebe schalten. Er lässt sich gut steuern, aber man muss mit dem Motor eins werden und bergauf auf die Zündung achten“, empfiehlt Louwman. Angesichts der „tanzenden“ Ventile gerät der Niederländer ins Schwärmen: „Es ist wie eine Klaviatur.“

Unter Strom: der Supersportwagen SLS AMG Electric Drive am Stand von Mercedes-Benz UK.

Unter Strom: der Supersportwagen SLS AMG Electric Drive am Stand von Mercedes-Benz UK.

Star am Stand: der SLS AMG Electric Drive.

Rüstige Zeitgenossen des Prinz-Heinrich-Wagens finden die Gäste beim Festival of Speed im „Cathedral Paddock“: Hier werden der Mercedes Grand-Prix-Rennwagen von 1908 und der Mercedes-Simplex 60 PS von 1903 für ihren Einsatz beim kräftezehrenden Hillclimb bereit gemacht. Wer dagegen die aktuellen Fahrzeugmodelle von Mercedes-Benz erleben möchte, besucht den Stand in der Automobilausstellung und nimmt probehalber Platz in der neuen S-Klasse oder den AMG-Versionen von A-Klasse, CLA und CLS Shooting Brake, die von Mitarbeitern liebevoll per Staubtuch von jedem noch so winzigen Fussel befreit werden. Beliebter Bonus für Kunden: Wer einen Mercedes-Benz Schlüssel dabei hat, erhält im „Keyholders Club“ einen Platz auf der AMG Tribüne mit bestem Blick auf die Rennstrecke.

In der Mitte des bestens besuchten Standes thront unübersehbar der blau schimmernde SLS AMG Electric Drive, der in Goodwood allerdings nur optisch punkten kann – und natürlich mit seinen Verbrauchs- und Emissionswerten. Für die Rennstrecke wäre er vermutlich schlicht zu leise...

Jochen Mass, hier im Mercedes-Benz W 154 aus dem Jahr 1938, ist immer für eine – laustarke – Extraportion Gas zu haben.

Jochen Mass, hier im Mercedes-Benz W 154 aus dem Jahr 1938, ist immer für eine – laustarke – Extraportion Gas zu haben.

Goodwood Festival
of Sound.

Denn: Das Festival of Speed müsste eigentlich Festival of Sound heißen. Überall blubbert, röhrt, knattert es. Jeder lautstarke Testlauf wird vom Publikum frenetisch gefeiert, und Experten unterscheiden kundig zwischen dem Fauchen der Turbinenfahrzeuge und dem Peitschenknall der Fehlzündungen. Mit den vier Marshals, die am Start im Minutentakt Wagen auf die Strecke schicken, möchten vermutlich wenige tauschen.

Was sind noch mal die Zusatzstoffe, die bei alten Motorsport-Veteranen wie dem Silberpfeil W 154 von 1938 für den beißenden Gestank aus dem Auspuff sorgen? Ethanol, Benzol... Egal, Hauptsache, es qualmt und lärmt. Man muss kein Benzin im Blut haben, um in Goodwood auf seine Kosten zu kommen – aber es hilft ungemein.

20 Jahre Goodwood Festival of Speed: Zur Jubiläumsausgabe reisen die Mechaniker von Mercedes-Benz Classic mit über 100 Zündkerzen im Gepäck an.
Film ansehen

Goodwood 2013 in 60 Sekunden

Sympathisch: MERCEDES AMG PETRONAS Pilot Lewis Hamilton beim Talk mit Journalisten.

Sympathisch: MERCEDES AMG PETRONAS Pilot Lewis Hamilton beim Talk mit Journalisten.

Auftritt für Lewis Hamilton
und Co.

Am Samstag bekommt Charles Gordon-Lennox alias Earl of March und Kinrara – den hier alle nur als Lord March kennen – einen mindestens ebenso populären Co-Gastgeber: die von nun an durchgehend strahlende Sonne, die das Festival auf den weiträumigen Ländereien des motorsportbegeisterten Lords endgültig zum Familienfest mit Picknick macht. Gleichzeitig erhalten die historischen Automobile ernstzunehmende Konkurrenz im Kampf um Aufmerksamkeit und Begeisterung: aktuelle Formel 1 Wagen. In der Prestart Area steigt die Promi-Dichte: Nick Heidfeld (mit 41,6 Sekunden bis heute Streckenrekordhalter in Goodwood), Sergio Perez – und natürlich Lewis Hamilton, der in seinem Silberpfeil auf die Rennstrecke startet. Selbst ein Sammler, hat der MERCEDES AMG PETRONAS Pilot fünf klassische Wagen in seiner Garage.

Den bei der Auktion am Tag zuvor erzielten Preis für Fangios Silberpfeil, den Vor-Vorgänger seines Dienstfahrzeugs, hält er dennoch für „irre“: „Es ist ein unglaubliches Auto, aber es ist auch ein riesiger Geldbetrag“, kommentiert der Brite.

Einmal Platz nehmen auf dem Patent-Motorwagen von Carl Benz, bitte.

Einmal Platz nehmen auf dem Patent-Motorwagen von Carl Benz, bitte.

Beliebtes Fotomotiv:
das erste Automobil.

Bei aller Begeisterung für die Formel 1: Das erste Automobil, Carl Benz’ Patent-Motorwagen aus dem Jahr 1886, bei Mercedes-Benz im Paddock als Replica ausgestellt, besitzt eine ungebrochene Faszination. Sogar kleine Mädchen möchten für ein Erinnerungsfoto auf dem Sitz Platz nehmen – und deren Mütter hören gebannt die Geschichte von der ersten Langstreckenfahrt, die Bertha Benz mit ihren Söhnen

im Jahr 1888 damit unternommen hat. Währenddessen starten beim „Michelin Supercar Run“ Zukunftsautos wie Hybride, Elektroautos und Antriebe mit Wasserstoffzelle. Nirgendwo liegen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft so nah beieinander wie beim Goodwood Festival of Speed. Auf Wiedersehen im Jahr 2014!


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