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Nico Rosberg vor dem Start.

Die längste Stunde.

Gastbeitrag des Mercedes-Benz magazins: Nico Rosberg gibt Einblicke
in das Geschehen kurz vor dem Start eines Formel-1-Grand-Prix.

Text: Hartmut Lehbrink / Bilder: Wolfgang Wilhelm
Entspannt: Von Lampenfieber ist bei Nico Rosberg nichts zu merken.

Der Countdown beginnt.

Zeit ist eigentlich eine ziemlich exakte Größe, nirgendwo wird das deutlicher als im Rennsport. Bruchteile von Sekunden, vom Menschen nur mithilfe von Hightech-Messgeräten wahrnehmbar, entscheiden über Sieg oder Niederlage, über Triumph oder Tragödie. Doch was passiert eigentlich, bevor es so weit kommt? Die letzte Stunde vor dem Start ist paradox – zugleich zu kurz und zu lang. Sekunden tröpfeln, Minuten zerrinnen. Auf einmal entzieht sich das so penibel vermessene Abenteuer Formel 1 gänzlich unserer inneren Uhr. Lampenfieber ist Nico Rosberg kurz vor dem Großen Preis von Australien im März aber nicht anzumerken. „Doch nicht mehr nach 128 Formel- 1-Rennen!“, sagt der Mercedes-Star achselzuckend. Der Countdown beginnt.

80 Minuten vor dem Start ist Rosberg gerade erst von der Fahrerparade zurückgekehrt. Dort präsentieren sich die Piloten den Normalsterblichen aus dem Publikum. Nun gibt er sich tiefenentspannt, telefoniert ein bisschen mit seiner Freundin Vivian, legt sich einen Moment hin.

Probelauf: Motoren-Check in der Box – der Achtzylinder donnert infernalisch; so laut, dass mancher sich die Ohren zuhält.

Noch 60 Minuten: Motoren-Check.

Für ein erholsames Nickerchen reichen Zeit und Muße dann aber doch nicht. Berühmte Vorgänger wie Nelson Piquet oder Gerhard Berger konnten das – Sekundenschlaf auf Bestellung. Noch 60 Minuten: Die Motoren der beiden Renn-Mercedes F1 W 04 werden mit einigem zeitlichen Abstand per externem

Starter zum Probelauf erweckt. Man sorgt zunächst für eine bestimmte Drehzahl und angemessenen Öldruck, ehe der zündende Funke ausgelöst wird. Die V8-Maschinen grölen mit potentem Bariton, bellen ein paar Mal zornig und verstummen schließlich übergangslos. 

Kicker-Champion: Den Ball hoch und nicht etwa flach halten, so lautet das Aufwärmprogramm für den Piloten. Rosberg sagt, er sei seit Jahren ungeschlagen.

Demonstrative Gelassenheit.

Noch 57 Minuten: Zeit fürs Aufwärmprogramm. Für Nico Rosberg heißt das Fußball mit Daniel Schlösser, seinem Physiotherapeuten, den Ball hoch halten, jonglieren. Sportdirektor Ron Meadows konzentriert sich auf die Taktik. Die Tanks der beiden Mercedes sind bis zum Anschlag gefüllt, die Treibstoffkühler entfernt. Während des Rennens erwärmt sich das Benzin auf bis zu 60 Grad, dehnt sich aus. Je kälter es anfänglich ist, desto mehr passt in den Tank. „Bis zu zehn Grad unter Lufttemperatur darf der Sprit heruntergechillt werden“, erklärt Meadows. Noch 42 Minuten: „Da gehe ich in die Garage, jogge auch gerne, das fördert den Aufwärmprozess“, sagt Rosberg. Er scherzt mit seinen Mechanikern, zeigt demonstrative Gelassenheit. Dann doch mal ein Gespräch zur Sache mit Renningenieur Tony Ross.

Rosberg streift die feuerfeste Haube über den Kopf.

Gut vorbereitet ins Rennen.

Rosberg schaut sich den Start vom vorigen Jahr an, den Verlauf, die Problemzonen. Auch Profis lernen nie aus. Rosberg verstöpselt seine Ohren, streift noch die feuerfeste Haube über den Kopf, bevor er den Helm aufstülpt und sich ins Fahrzeug zwängt. Der Achtzylinder in seinem Nacken meldet sich lärmend zu Wort. Anderthalb Liter fasst die tiefgekühlte Trinkflasche mit einer geheimnisvollen „speziellen Mischung“, die man ihm ins Cockpit mitgibt. Mehr Flüssigkeit gestattet das Reglement nicht – sie könnte sonst als verschiebbarer Ballast missbraucht werden. Rosberg sollte die Flasche bei Halbzeit geleert haben, sonst wird das Getränk in der engen Carbonröhre namens Cockpit zu heiß.

Noch 36 Minuten: Das Wetter hält sich, es bleibt trocken. Die Mechaniker schicken den Rennwagen deshalb mit Pirelli-Slicks zur Startaufstellung. Dort werden neue profillose Pneus montiert. Würde Regen drohen, ließe sich die Wahl der Reifen noch bis zu drei Minuten vor dem Start aufschieben.

Reifen-Poker: Slicks oder nicht? Diese Entscheidung kann bis maximal drei Minuten vor dem Start aufgeschoben werden.

Noch 32 Minuten: letzte Eingriffe erlaubt.

Noch 32 Minuten: Die Boxengasse ist geöffnet. Nico fährt zwei Erkundungsrunden, währenddessen herrscht intensiver Funk-Dialog mit Renningenieur Tony Ross. Würde etwas mit der Balance des Autos nicht stimmen, müsste er kurz anhalten, um den Frontflügel verstellen zu lassen, so kann man Unter- oder Übersteuern verhindern. Das ist der einzige Eingriff, der zu diesem Zeitpunkt noch erlaubt ist. Hundert Meter vor dem Ende der Startaufstellung schweigt der V8. Die Mercedes-Mechaniker empfangen den W 04 und schieben ihn auf seine Parzelle in der dritten Reihe. Der Silberpfeil bohrt sich durch ein Gewühl wie auf einem Volksfest.

Ans Steuer: Rosberg fädelt sich in das enge Kohlefaser-Monocoque seines Silberpfeils.

Ruhe, bitte.

Noch 14 Minuten: Rosberg lässt sich ins Cockpit gleiten. Mensch und Maschine sind nun endgültig miteinander verschmolzen. Er überprüft den Radiokontakt zur Crew, tritt auf die Bremse, damit die Räder richtig angebracht werden können. Der aufgebockte Einsitzer wird zu Boden gelassen. Jetzt zählt nur noch das Rennen.

Noch zwölf Minuten: Nur noch die hauptberuflich Grand-Prix-Schaffenden dürfen auf der Strecke bleiben. Der Pop-Barde Guy Sebastian intoniert die australische Nationalhymne. Noch sechs Minuten: Die Kühlgebläse werden von den Wagen entfernt. Noch vier Minuten: Die Motoren erwachen zu tosendem Leben. Es ist unerträglich laut.

Grünes Licht für die Einführungsrunde. 22 Boliden schlängeln sich den Kurs entlang. Überholen ist noch streng verboten.

Explosion der Geschwindigkeit.

Noch drei Minuten: Die Heizdecken über den Pneus fallen. Ohne sie würden die Pirellis anfänglich fast gripfrei über die Piste radieren. 80 Grad haben jetzt die Reifen, an denen umgehend die Kühle des australischen Herbstes zehrt. Noch zweieinhalb Minuten: Niemand darf sich mehr in der Nähe der Rennwagen aufhalten. Noch zwei Minuten: grünes Licht für die Einführungsrunde. Rosberg macht einen Startversuch und reiht sich in die zuckende, sich windende Schlange der 22 Einsitzer ein. Überholen ist jetzt noch streng verboten. Allein sei er nie, sagte er vorhin, „mein Ingenieur quatscht mir die Ohren voll, immer dieselben Sachen: Bremsen und Reifen wärmen, Motor kühl halten, auf die Kupplungs- und Getriebeeinstellung achten, den Wagen für den Start optimieren.“ 60 Minuten sind vorbei:

Die fünf roten Ampeln auf der Brücke vor dem Feld leuchten im Sekundentakt nacheinander auf, dann erlöschen sie gleichzeitig und die ordentliche Doppelreihe da unten explodiert in wüstem Chaos, Rosberg ist mittendrin. Der Grand Prix von Australien ist unterwegs. Aber das ist eine andere Geschichte.

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