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In einer belgischen Kleinstadt entwerfen zwei bildende Künstler elegant-verspielte Möbel, die Wohnzimmer in Landschaften verwandeln.

Creative Couples: Muller Van Severen zeichnen im Raum.

In einer belgischen Kleinstadt entwerfen zwei bildende Künstler elegant-verspielte Möbel, die Wohnzimmer in Landschaften verwandeln.

Text: Gabriel Tamez / Fotos: Frederik Vercruysse
Zuhause im Wunderland © Frederik Vercruysse

Irgendwo im Nirgendwo.

Unter bleigrauem Himmel grasen Kühe auf nebelverhangenen Weiden zwischen lockeren Baumgruppen. Irgendwo im Nirgendwo, an einer einsamen Straße in Evergem bei Ghent, werde ich abgesetzt: Hier steht das Haus und Designstudio der Künstler und Möbeldesigner Muller Van Severen.

Ich betrete den Vorgarten zwischen hoher Hecke und zweistöckigem Haus. Eine freistehende Betontreppe windet sich rätselhaft in die Luft – und wird von zwei Enten ignoriert, die um die Skulptur herumwatscheln. In welchem Wunderland bin ich hier gelandet?

Vom Alltag inspiriert © Frederik Vercruysse

Kunst aus Draht.

Wie auf ein Stichwort kommt mir Hannes Van Severen in Jeans und Stiefeln aus der benachbarten Scheune entgegen, in der das Designstudio des Künstlerpaars untergebracht ist. Er begrüßt mich mit einem ruhigen, sysmpathischen Lächeln und bittet mich in das Haus, wo schon seine kreative und Lebenspartnerin, die Fotografin Fien Muller, auf uns wartet.

Gemeinsam schlägt das Duo weltweit Wellen mit seinem spannenden Möbeldesign. Unter dem Namen Muller Van Severen basteln die beiden in ihrem Studio diverse Konstrukte und Drahtmodelle, in denen stets eine Spur Humor mitschwingt, den Hannes und Fien als „Suche nach Schnittstellen“ umschreiben.

Bewusste Zusammenarbeit © Frederik Vercruysse

Kreativität im Doppelpack.

Gestärkt durch Kaffee aus filigranem blauem Porzellan und selbstgesammelte gelbe Früchte aus dem heimischen Garten wenden wir uns dem eigentlichen Thema zu. Woher kennen sich die beiden eigentlich? Hannes erinnert sich: „Damals hat Fien vier Jahre lang an der Genter Kunstakademie Fotografie studiert, während ich am Sint-Lucas Bildhauerei lernte. Nach ihrem Studium ist Fien auch auf Skulpturen umgeschwenkt, und da haben wir uns dann kennengelernt.“ Persönlich hat es sofort gefunkt, doch die kreative Zusammenarbeit ließ noch ein paar Jahre auf sich warten. Laut Fien „wollten wir grundsätzlich schon immer etwas zusammen machen, aber konnten uns nie auf das richtige Medium einigen.“

Funktionalität eröffnet neue Freiheiten © Frederik Vercruysse

Not macht erfinderisch.

Und wie sind die beiden dann beim Möbeldesign gelandet? „Vor drei Jahren fragte eine Antwerpener Galerie bei Fien wegen einer Ausstellung mit einem geladenen Künstler an – und da hat sie einfach mich gefragt!“ freut sich Hannes. Damals steckten die beiden noch mitten in der Renovierung des wunderschönen Hauses, das sie jetzt mit ihren zwei Töchtern bewohnen. Natürlich ging dabei frei nach Murphy’s Law auch einiges schief, u.a. war plötzlich oberhalb des Essbereichs kein Strom verfügbar. „Also haben wir uns einen Tisch mit integrierter Lampe ausgedacht. Das war unser erstes gemeinsames Projekt, und dabei hat sofort alles gestimmt. Die anderen Möbel entstanden dann spontan, und wir haben uns einfach überlegt, eine reine Möbelausstellung zu machen – das Ergebnis war Muller Van Severen.“

Ein schöner Start, aber damit ist natürlich längst nicht alles gesagt, also schenken wir noch etwas Kaffee nach und forschen weiter.

Poesie in anderen Dimensionen © Frederik Vercruysse

Poesie in 2D und 3D.

Wie war es eigentlich für euch als Künstler, mit unterschiedlichen Medien zu arbeiten?
Fien: Wir haben uns gegenseitig inspiriert. Genauer gesehen unterscheiden sich unsere Arbeiten gar nicht so sehr: Hannes kreiert mit seinen Skulpturen Poesie in 3D, ich in 2D.

Wo verläuft bei euch die Grenze zwischen Kollaboration und der eigenen Arbeit?
Hannes: Der wichtigste Faktor ist wahrscheinlich die Funktionalität, die quasi einen Umriss absteckt. In der Kunst hat man freien Auslauf. Bei Möbeln sorgt der Gedanke der Funktionalität für gewisse Rahmenbedingungen. Andererseits können diese selbstgesetzten Grenzen auch wieder befreiend wirken.

Zeichnen im Raum © Frederik Vercruysse

Kreatives Chaos.

Wer von euch ist normalerweise für die erste Idee oder Skizze verantwortlich?
Fien: Manchmal fängt Hannes an zu zeichnen, manchmal bin ich es – das geht immer hin und her. Aber der andere spürt sofort, worum es geht und was noch daraus werden könnte. Der Designprozess läuft mehr oder weniger neben unserem Alltag her.

Und wie konkretisiert ihr eure Entwürfe?
Hannes: Nach dem Zeichnen bauen wir sofort einen Prototyp im Studio – da sind wir sehr ungeduldig. Wir schweißen ein grobes Modell zusammen und schauen, ob die Proportionen stimmen. Das Ganze ist ziemlich chaotisch!

Fotografie, Skulptur, Möbel © Frederik Vercruysse

Intuitive Entwicklung.

Allerdings scheinen sich eure Arbeiten relativ intuitiv zu entwickeln.
Hannes: Ja, auf jeden Fall. Und wir denken dabei auch nicht an “Möbel”, sondern eher an Skulpturen, die die Umgebung einbeziehen, um Landschaften im Raum zu schaffen.
Fien: Für uns sind Möbelstücke keine autarken Objekte. Während der eine Filme schaut, liest der andere vielleicht ein Buch – doch beide teilen sich eine Lampe. Man kann das gleiche Objekt gemeinsam, und doch anders, nutzen.

Hannes: Deshalb basieren die meisten unserer Möbel auch auf dünnen, drahtartigen Strukturen, die klare Formen vorgeben, aber gleichzeitig so transparent und durchlässig wie möglich bleiben.
Fien: Wie Zeichnungen im Raum!

Zwei Welten: Minimalismus trifft Barock © Frederik Vercruysse

Barock trifft Minimalismus.

Hannes: Und verspielt. Hier trifft Barock auf Minimalismus. In meiner Familie war alles immer sehr schlicht und zurückgenommen. Mein Vater (Maarten Van Severen) hat als Designer einfache, klare Formen entworfen. Und mein Großvater war in den 1950ern als Maler Vertreter des Minimalismus. Fien ist in einem deutlich barockeren Umfeld aufgewachsen. Unseren Möbeln tut diese Mischung gut.

Warum arbeitet ihr bevorzugt mit den gleichen Materialien?
Hannes: Sie sind einfach ehrlich. Man bekommt sie im Laden oder Baumarkt in standardisierten Größen.
Fien: Außerdem sind Marmor und Stahl wunderschön und echte Klassiker. Eigentlich beginnt unser Kreativprozess nicht mit den Skizzen, sondern schon viel früher, mit der Wahrnehmung und dem Einfluss der Materialien.

Suche nach Schnittstellen © Frederik Vercruysse

Inspiration im Gleichgewicht.

Wie erreicht ihr ein gesundes Gleichgewicht zwischen Muller Van Severen und euren eigenen, individuellen Projekten?
Fien: Ich konzentriere mich aktuell vor allem auf die Möbel, d.h. meine Fotografie beschränkt sich auf das Ablichten der Arbeiten. Gleichzeitig schwirren mir immer viele eigene Projekte im Kopf herum, was wiederum die Möbel inspiriert. Denn das hat damals den eigentlichen Anstoß für unsere Zusammenarbeit gegeben, dieses Aufeinandertreffen unserer beiden Welten.

Vielen Dank euch beiden!


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