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Mit seinen Collagen und Installationen erschafft der französische Künstler moderne Mythen ebenso wie er sie entlarvt.

Mixed Tape #57 Cover
Künstler Marc Turlan.

Mit seinen Collagen und Installationen erschafft der
französische Künstler moderne Mythen ebenso
wie er sie entlarvt.

Text: Solveig Erlat / Fotos: Marc Turlan
Marc Turlan vertieft in seine Arbeit.

Skalpell auf Papier.

Er schneidet, reißt, maskiert und dekontextualisiert. Was sich anhört wie ein kalter, chirurgischer Eingriff, ist in Wahrheit die alles andere als gefühllose Arbeitsweise des Pariser Künstlers Marc Turlan. Mit seiner ruhigen, offenen Art und den einnehmenden blauen Augen wirkt er wie ein Mann, der sich selbst gefunden hat und der bereit ist, tief in die emotionalen Mysterien seiner Umwelt einzutauchen. „Als ich Anfang 20 war“, erzählt er, „habe ich Biologie studiert, um Arzt zu werden. Aber nach zwei Jahren wurde mir plötzlich klar, dass ich etwas ganz anderes wollte.“

Gegen den Willen seiner Eltern studierte und lehrte er römische Mosaikkunst, um bald darauf bildender Künstler zu werden. Seitdem nutzt er das Skalpell nur noch am Papier. Eine seiner bekanntesten Collagen entstand in

Zusammenarbeit mit Nike und dem Chefdesigner von Givenchy, Riccardo Tisci. Indem er eine Porträt-Fotografie zerschnitt und darunter das Nike Logo zum Vorschein brachte, kreierte er die seltsam bekannte und doch faszinierende Illusion eines zerrissenen Magazins.

Die meisten seiner Collagen und Installationen enthalten verfremdete Fotos aus Modezeitschriften.

Es geht immer um Bilder.

Die meisten seiner Collagen und Installationen enthalten verfremdete Fotos aus Modezeitschriften, viele erwecken den Eindruck einer modernen ethnischen Maske oder Skulptur. „Es geht immer um Bilder. Bilder, und was hinter ihnen versteckt ist“, erklärt Marc. Was versteckt sich hinter dem Mann, der das Cover der aktuellen Mixed Tape #57 gestaltet hat? Wir haben Marc Turlan getroffen, um mehr über ihn und seine Kunst zu erfahren.

Wie können wir uns deinen typischen Alltag vorstellen?
Ich stehe um 6 Uhr morgens auf und arbeite dann von etwa 10 bis 13 Uhr im Studio. Nach einer Mittagspause geht es bis etwa 18 Uhr zurück an die Arbeit. Abends trinke ich dann ein Bier und gegen 21 Uhr geht es zum Dinner.

„Spielen und Träumen ist Teil meiner Arbeit.“

Glück, Freundlichkeit
und Enthusiasmus.

Das klingt eigentlich ziemlich „normal“.
Auch als Künstler braucht man Disziplin. Manchmal ist man bei der Arbeit, aber die Leute um einen herum nehmen es ganz anders wahr. Sie glauben dann zum Beispiel, dass ich spiele oder träume – doch selbst dieses Spielen und Träumen ist Teil meiner Arbeit. Manchmal zweifle ich auch an mir selbst. Aber wenn man im Atelier ist bedeutet das ja quasi schon, dass man irgendwie bei der Arbeit ist.

Was treibt dich an – in deinem Leben und in
deiner Kunst?

Wahrscheinlich Liebe. Es dreht sich alles um Glück, Freundlichkeit und Enthusiasmus. Soll heißen, ich kümmere mich um die Menschen, die mir nahe stehen: Verwandte, enge Freunde und all jene, die eventuell einmal enge Freunde werden könnten.

Von ihnen erwarte ich allerdings auch, dass sie meiner Arbeit folgen – was sie auch tun. Das ist mir sehr wichtig. Als bildender Künstler bleibt man die meiste Zeit mit sich und seiner Arbeit allein. Wenn man sich dann nicht mit anderen und im vollsten Vertrauen austauschen kann, kann es sehr hart werden. Selbst van Gogh hatte seinen Bruder.

“Die Wahrnehmung und Definition von Wahrheit und Schönheit ist jeweils sehr persönlich.“

Ehrlichkeit ist sexy.

Mit welchen Materialien arbeitest du gerade
am liebsten?

Aktuell arbeite ich vor allem mit Fotos antiker Statuen, die ich mit Aufnahmen von Models, Stars und sogar Erotikdarstellern mische, bis das Ergebnis stimmt. Und wenn alles richtig zusammenkommt, ist es ein wenig magisch. Erst dann kann ich die eigentliche Collage angehen.

Apropos Collagen – macht diese Art der Schichtung echte Schönheit eigentlich erst deutlich? Oder suchst du damit eher nach einer bestimmten Wahrheit? Liegt echte Schönheit in dieser Wahrheit?
Für Künstler zählt nur die Wahrheit, aber die Wahrnehmung und Definition von Wahrheit und Schönheit ist jeweils sehr persönlich. Mir geht es deshalb vor allem darum, meine Wahrheit darzustellen.

In meinen Porträts tauchen oft Masken auf – frei nach Marguerite Duras könnten man sagen, dass „Dinge durch Abwesenheit ausgedrückt werden.“ In der Kunst ist alles möglich, und das Ergebnis kann schön oder hässlich sein, aber darum geht es gar nicht. Letztendlich muss man nur ehrlich sein. Die Wahrheit ist sexy. Ehrlichkeit ist sexy.

“Aktuell arbeite ich vor allem mit Fotos antiker Statuen, die ich mit Aufnahmen von Models, Stars und sogar Erotikdarstellern mische.“

Magazine als Rohmaterial.

In einer deiner Installationen tauchen sechs Spiegelflächen mit den Begriffen Arbeit, Ruhm, Ernsthaftigkeit, Kraft und Liebe auf. Welche Bedeutung haben diese Worte für dich?
Sie waren Teil eines Statements meiner Ausstellung „Exo Star“ in der Pariser Galerie Anne de Villepoix (2011). Ich wollte damit meine damalige Position als Künstler auf den Punkt bringen. Im weiteren Sinne verdeutlichen sie generell den Lebensentwurf einer ultramodernen westlichen Gesellschaft.

Du findest das Rohmaterial für deine Werke oft in Modemagazinen. Wie stehst du allgemein zur Mode?
Mich interessiert vor allem die Bildwelt der Mode – diese Bilder funktionieren als System im Sinne von Roland Barthes. Ich nutze die Modemagazine dabei als Rohmaterial wie beispielsweise ein Bildhauer Marmor. Mode an sich spielt in diesem Prozess keine große Rolle.

Et voilà – Das Cover des Mixed Tape #57 ist fertig.

Gänsehaut.

Kannst du dich noch an dein allererstes
Album erinnern?

Das ist schon so lange her! Ein Radiohead Album, bei dem ich immer noch Gänsehaut bekomme.

Und woran arbeitest du gerade?
Momentan bereite ich eine Ausstellung in Brüssel im Oktober vor: eine neue Serie bestickter Collagen plus eine

T-Shirt-Edition, die ich gemeinsam mit zwei Grafikdesignern und einem Objektdesigner entworfen habe.

Vielen Dank für dieses Gespräch, Marc!

Mixed Tape #57 und Marc Turlans Cover Kunst stehen  hier  zum kostenlosen Download bereit.


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