Nikka Costa –
ganz natürlich.
Sie ist im Geschäft, seit sie fünf ist und hat bis heute nichts an
Leidenschaft und Natürlichkeit verloren. Wir sprechen mit der
sympathischen Musikerin über ihr aktuelles Album,
ihren YouTube Kanal und die Zusammenarbeit
mit anderen Künstlern.
Lustig, bodenständig und sympathisch.
Lustig, bodenständig und äußerst sympathisch – so kommt Nikka Costa von der ersten Minute am Telefon rüber. Man muss die quirlige 39-jährige amerikanische Sängerin und Musikerin gar nicht vor sich sitzen haben, um ihrem ansteckenden Charme zu erliegen – ihre lebhafte Stimme zu hören, reicht völlig aus. Eine Stimme, die schon lange im Geschäft ist. Mit fünf Jahren nimmt sie ihre erste Single auf, vier Jahre später folgt ihr erstes Album, auf dem sie ihr Vater auf der Gitarre begleitet. Musik dominiert die ganze Familie Costa:
Vater Don arrangiert für Frank Sinatra, die Mutter schreibt eigene Songs, der Bruder spielt Schlagzeug, ihre Schwester singt ebenfalls – für Nikka war schnell klar, dass die Musik der richtige Weg ist.
eine bewusste wahl.
Ich habe mir das nicht wirklich ausgesucht – ich glaube „es“ hat mich ausgesucht! Da ich immer gesungen habe und mein Vater im Musikgeschäft war, hatte ich einige Gelegenheiten, vor einem großen Publikum aufzutreten. Und plötzlich habe ich eine Platte aufgenommen, die sehr erfolgreich wurde und wir sind damit auf Tour gegangen. Es hat sich irgendwie von selbst entwickelt. Aber erst als ich mit der Highschool fertig war, habe ich die bewusste Wahl getroffen weiterzumachen. Eine bewusste Wahl traf auch Professor Herbert Waltl, als er einen ihrer Songs vom aktuellem Album PRO*WOHA für ein Projekt besonderer Art auswählte. Chase The Thrill ist nun auf der neuen Mercedes-Benz Signature Sound DVD zu finden, welche speziell für den kleinen Raum und das Soundsystem des neuen SL Roadster abgemischt wurde.
PRO*WOHA.
Waltl, zweifacher Grammy-Gewinner, Surround Sound Experte und Pionier in Sachen DVD-Produktion, setzte die Idee auf beeindruckende Weise im berühmten Skywalker Studio von George Lucas um. Chase The Thrill, erklärt der Experte, ist aufgrund seiner Vielschichtigkeit besonders für die DVD geeignet. Neben vielen weiteren Weltstars findet sich auch eine Stunde mit klassischer Musik auf der DVD, mit der jedes neue Modell ausgeliefert wird. Waltls eigens erschaffene Soundästhetik macht neugierig auf die anderen Songs von PRO*WOHA. Ach ja, was bedeutet denn eigentlich PRO*WOHA?
Das ist eine Art Slang und schwierig zu erklären. PRO steht für Profi, professionell, und WOHA ist einfach ein Ausdruck wie „Wow!“
Vollprofi seit 34 Jahren.
„Wow!“ trifft auch ziemlich genau auf Nikka Costa zu, die inzwischen seit 34 Jahren Vollprofi in Sachen Musik ist. Anfang der neunziger Jahre taucht sie tiefer in die Welt der Soul und Funk Musik ein und heiratet den Musikproduzenten und Songschreiber Justin Stanley. Der Song Like A Feather, eine Gemeinschaftsarbeit ihres Ehemanns mit dem späteren Amy Winehouse Produzenten Mark Ronson, wird für einen Tommy Hilfiger Werbespot benutzt und gibt Nikkas Karriere einen gehörigen Schub. Es folgen zwei weitere Alben und mit dem nächsten öffnen sich die Türen eines sehr traditionsreichen Hauses: Das wiederbelebte Memphis Soul Label Stax lizensiert die auf Nikkas eigenem Label Go Funk Yourself Records geplante Platte ohne zu zögern.
eine perfekte Kombination von Ideen.
Die Plattenfirma Concord, der Stax gehört, hat mein bereits fertiggestelltes und selbst finanziertes Album über einen gemeinsamen Freund gehört und war wirklich sehr begeistert davon! Ich glaube auf dem Papier ist das eine perfekte Kombination von Ideen, da Stax als legendäres Soul Label die raue Alternative zu Motown darstellt – das hat mir gefallen.
Pebble To A Pearl, so der Titel des 2008 erschienenen Werks, zeigt Nikka Costa von ihrer bisher souligsten Seite. Sie interpretiert darauf sogar einen Song des Gangster Of Love, Johnny Guitar Watson und verfasst zusammen mit Motown-Legende Lamont Dozier und dem Soulmusiker & Produzenten James Poyser das locker vor sich hin hüpfende Cry Baby.
Interessant ist die Zusammenarbeit mit einem Musiker, den man an ganz anderer Stelle verortet. Den Song Without Love schreibt Nikka mit dem kanadischen Sänger und Musiker Mocky , unter anderem bekannt durch seine Arbeit mit Jamie Lidell und Feist.
moderner und elektronischer Sound.
Schon zwei Jahre später verlässt sie den sicheren Pfad der Soulmusik und versucht sich mit ihrem Song Ching Ching Ching an einem moderneren und elektronischeren Sound. Darin setzt sie sich durchaus kritisch mit dem Geschehen auf dem aktuellen Musikmarkt und ihren Kollegen auseinander: Ching Ching Ching entstand aus einer gesellschaftlichen Betrachtung heraus, wie junge Leute unbedingt berühmt werden wollen. Sie wollen einfach nur in einer Reality Show auftreten und Stars werden. Dieser Richtungswechsel verdeutlicht Nikka Costas von Grund auf neugierige Herangehensweise an die Musik:
Wenn ich eine Platte aufnehme, lasse ich mich einfach von dem Gefühl leiten, das ich in diesem Moment habe, und von der Musik, die ich zu diesem Zeitpunkt höre.
Funk und Soul werde ich immer lieben, sie sind meine Basis. Aber manchmal macht es einfach nur Spaß mit anderen Klängen und Genres zu experimentieren, etwas anderes auszuprobieren. Ich höre gerne sehr viele unterschiedliche Arten von Musik und möchte daher auch unterschiedliche Arten von Musik singen. Mit ihrem aktuellen Mini-Album PRO*WOHA stößt sie weiter in die Popwelt vor. Das zeitgemäße Soundkleid, dass hier wieder vom Ehemann geschneidert wurde, bettet ihre soulige Stimme auf wunderbare Weise ein und steht Nikka ausgezeichnet. Auf die Frage, wie es sich denn so mit dem eigenen Partner zusammen arbeitet, antwortet sie souverän: Wir sind schon so lange zusammen und haben einen Weg gefunden, der funktioniert. Wenn wir arbeiten, dann arbeiten wir, und wenn wir nicht arbeiten, dann arbeiten wir nicht. Wir streiten nicht… Am Ende sind wir beide sehr unabhängig voneinander und das schafft den nötigen Ausgleich. Wir sind seit 20 Jahren verheiratet!
Nikka’s Box.
Eine lange Zeit, wenn auch nicht so lange, wie Nikka Costa schon im Musikgeschäft tätig ist und sich immer wieder neu erfindet – wie zum Beispiel mit der Video-Plattform Nikka's Box , bei der sie alleine oder zusammen mit Gastmusikern live vor der Kamera im Heimstudio musiziert. Nikka’s Box entstand aus einer Phase der Neuorientierung als ich zwischen zwei Alben stand. Da gibt es diesen großen Teil meiner Persönlichkeit, der auf meinen Platten und bei Liveauftritten nicht zur Geltung kommt. Ich bin gerne ein bisschen albern und witzig und das kann ich nicht wirklich zeigen, wenn ich rumstolziere und auf cool mache (lacht laut)… Nikka’s Box ist locker und lustig. Es gibt so viel Druck in unserem Geschäft, dass es manchmal einfach nur Spaß macht, etwas Verrücktes zu tun und diese andere Seite zu zeigen.
„Es gibt so viel Musik da draussen.“
Diesen Druck merkt man Nikka im Gespräch überhaupt nicht an. Sie geht in der Musik auf – egal welches Genre: Die Musik der 70er habe ich schon immer geliebt. Die späten 60er und die frühen 70er Jahre waren eine fantastische Zeit – für das Bewusstsein, für Veränderung, für künstlerisches Schaffen, und zum Entdecken und Erforschen. Es war viel unschuldiger und das erlaubte dir auch kreativer zu sein. Ich höre aber auch eine Menge neuer Musik wie zum Beispiel Radiohead, Jeff Buckley, MGMT.
Ich stehe total auf Peter, Bjorn & John – einfach verschiedene Sachen wie Fleet Foxes, Arcade Fire. Es gibt so viel Musik da draußen – es ist offenkundig, dass ich nur die Hälfte davon mitbekomme. Man braucht viel Zeit, um sie zu entdecken – Radio hören tut es da nicht.
Ganz natürlich.
Zeit für eine letzte Frage: Gibt es ein paar unvergessene Worte eines anderen Künstlers die sie besonders mag?
Das macht jetzt vielleicht keinen Sinn, aber in Hollywoods Glanzzeiten fragte jemand Bette Davis: „Welchen Rat geben Sie einem aufstrebenden Schauspieler, der nach Hollywood will?“ und sie sagte: »Nehmen Sie die Fountain Avenue!« Das ist eine (etwas weniger verstopfte) Straße, die quer durch Los Angeles führt – das war ihr Rat und ich dachte nur: wie clever! (lacht). Nikka Costa hat sich in ihrem bisherigen Leben nicht verfahren, sie ist sofort auf die Fountain Avenue eingebogen und ist ihren Weg gegangen – ganz selbstverständlich und ganz natürlich.

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